Unfall mit Sommerreifen im Winter – zahlt meine Versicherung?

Von „O“ bis „O“. Eine Faustregel, die in der Schweiz vielen Menschen geläufig ist. Von Oktober bis Ostern, oder, wie die Ostschweizer auch sagen: „von Olma bis Offa“.
Doch wie ist die rechtliche Situation? Und wie reagiert die Versicherung im Falle eines Unfalls?
Wir klären auf.

Zunächst gilt festzuhalten, dass in der Schweiz kein Gesetz zur Winterreifenpflicht besteht. Trotzdem muss in der Schweiz beim Fahren mit Sommerreifen im Winter mit einer Strafe, beispielsweise durch die Polizei, gerechnet werden. Das ist darauf zurückzuführen, dass ein Artikel im Strassenverkehrsgesetz folgende Stelle beinhaltet: „Jedermann muss sich im Verkehr so verhalten, dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung der Strasse weder behindert noch gefährdet“. Zudem dürfen Fahrzeuge nur in „betriebssicherem und vorschriftsgemässem Zustand“ verkehren.

Von der versicherungstechnischen Seite sieht die Angelegenheit so aus, dass die Haftpflichtversicherung den Schaden an Dritten zwar bezahlt, jedoch vom so genannten „Regress“, also einer Kürzung der Versicherungsleistung auf Ihre Kosten, Gebrauch machen kann.
Gegen diese Handlung der Versicherung kann man sich mit einer „Regressverzicht bei Grobfahrlässigkeit“-Klausel schützen. Diese kann bei Abschluss der Fahrzeugversicherung miteingeschlossen werden.

Ein Regressfall durch fahrlässiges Handeln kann sogar so weit gehen, dass sie als Mitverursacher eines Unfalls ausgemacht werden. Das kann von der Versicherungsgesellschaft wie folgt ausgelegt werden:
Sie stehen auf matschig-schneebedeckter Fahrbahn still hinter einem Fahrzeug; leider kann der Fahrer hinter Ihnen nicht rechtzeitig bremsen und fährt auf Ihr Auto auf. Durch den Aufprall werden Sie ins Fahrzeug vor Ihnen geschoben. Ihre Versicherung kürzt nun die Versicherungsleistung, da anzunehmen ist, dass Sie mit der richtigen Bereifung rechtzeitig zum Stillstand gekommen wären und nicht ins Fahrzeug vor Ihnen gestossen worden wären.

Dies führt nun dazu, dass Sie in der Beweispflicht stehen, dass Sie auch mit Winterreifen nicht rechtzeitig hätten stehen bleiben können. Daraus kann wiederum ein Rechtsstreit entstehen, der einiges an Geld kosten kann. Hierbei kann Ihnen eine Verkehrsrechtsschutzversicherung einiges an Geld sparen. Doch wenn Sie keine Versicherung abgeschlossen haben, geht es an Ihr persönliches Guthaben.

Wir gehen davon aus, dass ein Satz Winterreifen in jedem Fall günstiger wird als ein Rechtsstreit und empfehlen Ihnen daher, stets auf witterungsgerechten Reifen unterwegs zu sein. Fragen zur Verkehrsrechtsschutzversicherung? – Gerne beraten wir Sie.